Elbrus, oder die hoechste Muellkippe des europaeischen Kontinents

Nachdem wir am 15.07. in Krasnodar (Russland) angekommen sind, haben wir festgestellt wie nah (alles ist ja schliesslich relativ) doch die Elbrusregion von hier aus ist.
Schon in Odessa hat uns Olya von dieser Region und dem sagenhaften Elbrus vorgeschwaermt und schliesslich trafen wir noch kurz vor Krasnodar einen jungen Russen an einem Seerosenfeld, welcher uns auch empfahl die Gegend um den Elbrus zu besuchen.

Nun waren wir mit dem „Planlos Faktor“ gefordert und schauten uns nach Busverbindungen von Krasnodar zum Elbrus um, da klar war, das so ein Abstecher mit den Bikes unser nichtvorhandenernZeitplan noch mehr durcheinander bringen wuerde.
Das Besorgen der Bustikets ging dann reibungsloser als gedacht, nicht das sich unsere Russischkenntnisse signifikant verbessert haetten, aber unsere Zeichensprache wird immer perfekter. Dies moechte ich hier mal an einem Beispiel „Busticket in Naltschik kaufen“ erlaeutern:

Der Busbahnhof in Natschik ist wie man es in Russland so kennt eine Halle in der man Tikets kaufen kann, umsaeumt mit tausenden von Geschaeften die Essen, Getraenke und andere Dinge, die man fuer die Reise benoetigt, anbieten. Draussen stehen die Busse, um die sich die wartenden Fahrgaeste scharen und meist rauchen. Sowie sich ein Fahrgast von dieser Herde trennt, kommt ein Taxifahrer angerannt und bietet seine Dienste an. Ob es dann wirklich ein offizielles Taxi ist, zeigt sich allerdings erst beim Einsteigen in das Fahrzeug. Viele Maenner verdienen sich naemlich mit solcher Arbeit ihr Geld und haben zur Tarnung sogar ein auflegbares Taxisschild, dass sie beim Losfahren aber vom Dach nehmen und in den Fussraum werfen.

Nun bin ich aber in der oben genannten Halle, da ich ein Busticket fuer uns besorgen muss. In der Halle sind 6 Schalter, drei sind mit KACCA beschriftet, was soviel wie Kasse bedeutet. Da ich ja zuerst die Info benoetige wann ein Bus faehrt, gehe ich zu einem der anderen Schalter. Der Schalter besteht aus einer Oeffnung in der Wand die etwa so gross ist wie zwei Bierdeckel und ueber die Laenge der Oeffnung mit einer Ablage versehen ist. Ich beuge mich leicht nach vorne um durch die Oeffnung spaehen zu koennen.

Ich sehe einen Schreibtisch auf dem ein Telefon steht, um das Telefon liegen tausend lose DIN A4 Blatter auf denen irgendwas gekritzelt ist. Am Ende des Schreibtisches sehe ich eine Frau die eine Frisur wie nach einem Sandsturm traegt. Sie sitzt entspannt in ihrem Stuhl und kaut Kaugummi. Nun beginnt unser gemeisamer Dialog:

Ich: Lege mein charmantestes Laechen auf und gruesse hoeflich mit einem „Dobre dien“.

Sie: Sitzt entspannt auf ihrem Stuhl und kaut Kaugummi.

Ich: Spreche das Wort „Information“ mit einem fragend Blick aus und zeige mit dem rechten Zeigefinger auf das Stueck Ablage unterhalb der Oeffnung.

Sie: Sitzt entspannt auf ihrem Stuhl und kaut Kaugummi.
Wir sind mittlerweile nicht mehr verwundert, das die Leute im Dienstleistungssektor striktes Lachverbot haben und so effektiv arbeiten, dass unnoetige Begruessungsfloskeln wegrationalisiert sind.

Ich: „Aftobus Naltschik – Krasnodar?“ und zeige dabei mit dem rechten Zeigefinger auf meine imaginaere Armbanduhr am linken Arm.

Sie: Bewegt sich

Ich: Durch ihre Bewegung sehe ich ueber der Lehne ein Cosmopolitan Heft aufgefaedelt. Ich habe so ein Heft schon mal bei Steffi durchgeblaetter. Dass aber solche Frisuren dort angepriesen werden ist mir neu.

Sie: Holt aus einer Schublade unter dem Schreibtisch ein Stapel mit ca. 150 leeren DIN A4 Blaettern hervor. Das oberste Blatt faltet sie ein paar mal hin und her und reist dann ein Stueck etwas groesser als eine Visitenkarte ab. Dieses Stueck Papier platziert sie nun geschickt auf der Blaetterwiese ihres Schreibtisches nachdem sie den anderen Stapel wieder in der Schublade verschwinden laesst. Nun schaut die gute Frau auf ihrem Schreibtisch auf und ab. Sie oeffnet wieder die Schublade und kramt suchend darin herum. Sie verschiebt die Blaetter auf ihrem Schreibtisch, dann zeigt sie mir was sie sucht in dem sie mich fragend ansieht und mit ihrer rechten Hand etwas in die Luft kritzelt.

Ich: Aha, sie sucht einen Kuli, findet ihn aber nicht und moechte nun einen von mir. Ich schaue an meinem Koerper herunter und stelle fest, dass ich niergends einen Kuli habe. Ich schaue sie entaeuscht an und schuettele den Kopf, entscheide mich aber, mich bei der Suche aktiver zu beteiligen und spaehe durch die Oeffnung, um den vermissten Kuli irgendwo auf dem Schreibtisch zu erhaschen.

Sie: Hebt nun ernergischer die Blaetter auf dem Schreitisch in die Luft und siehe da, es wirbelt etwas kugelschreiberaehnliches durch die Luft. Als der Gegenstand allerdings auf dem Blaetterhaufen zur Ruhe kommt stellen ich etwas entaeuscht, die Frau eher gluecklich fest, das es die Nagelfeile ist. Durch das immer heftiger werdenden Gesuche verschieben sich nun fast alle Blaetter und auch das Telefon.

Ich: Nun sehe ich wo sich dieser verflixte Kuli versteckt hat. Da ich der Frau sozusagen gegenueber stehe, kann ich leicht hinter das Telefon sehen, wo sich das gesuchte Schreibgeraet versteckt. Ich schaue mir die Stelle genau an und greife nun durch die kleine Oefnnung auf den Schreitisch. Mein Arm verdeckt nun ganz die Oeffnung und ich taste mich blind am Telefonkabel vorran bis ich den wohlbekannten runden Gegenstand erlangen kann. Ich greife zu und reiche ihn langsam in Richting der Frau – ich moechte ja niemanden verletzen.

Sie: Greift nach dem Kuli, die Uebergabe hat geklappt.

Ich: Beuge mich wieder nach vorne und schaue durch die kleine Oeffnung. Was ich da sehe, laesst mein Herz erweichen: die Gesichtszuege der Frau haben sich etwas erheitert, man kann auf keinen Fall von einem Laecheln sprechen, aber ich sehe, dass das Eis zwischen uns beide gebrochen ist.

Sie: Nimmt nun den uebergebenen Kuli und beginnt in schoenster Schreibschrift etwas auf das etwa visitenkartengrosse Stueck Papier zu schreiben.

Ich: Denke mir, wenn die wuesste, dass ich gerade erst die kyrillischen Blockbuchstaben kann und diese auch nur als Grossbuchstaben. Doch mir geht es ja um die Uhrzeiten. Ich sehe, wie sie nur den Zielbahnhof in Schreibschrift schreibt und dann die Uhrzeiten in mir bekannten Ziffern: 08.00 h und 19.35 h. Cool, das wollte ich wissen.

Sie: Schreibt in aller Ruhe fertig und zeigt zufrieden das Blatt nach oben.

Ich:  Balle die rechte Faust und zeige mit dem Daumen nach oben, das internationale Zeichen fuer OK!

Sie: Ihren Gesichtzuegen zu folgen hat sie dies auch so verstanden und lehnt sich wieder zurueck und kaut ruhig Ihren Kaugummi weiter.

Ich: Will nun wissen, wie lange diese Busfahrt dauert und beginne wieder mit meinen Haenden zu gestikulieren. Ich schaue sie fragend an und halte meine zwei Handflaechen zusammen. Dann wandert meine rechte Hand in einem Halbkreis nach rechts und danach zeige ich wieder mit dem rechten Zeigefinger auf meine imaginaere Uhr am linken Arm. Diese Bewegungen wiederhole ich und mache dabei ein frangendes Gesicht.

Sie: Zeigt als ob sie es verstanden hat und schreibt etwas wieder in aller Ruhe auf das Papier.

Ich: Sehe das sie beginnt wieder Zahlen zu schreiben und freue mich schon.

Sie: Hebt das Blatt in die Hoehe und zeigt auf die Zahl 385,- und reibt ihren rechten Daumen am Zeigefinger.

Ich: Ok, damit meint sie den Preis. Ich zeige wieder die Faust mit dem Daumen nach oben, da die Frage nach dem Preis sowieso noch gefolgt waere. Nun beginne ich meinerseits wieder die Gestik mit den zwei Haenden die auseinandergehen und dem Finger auf die Uhr zeigend und mache dabei ein fragendes Gesicht.

Sie: Macht genauso ein fragendes Gesicht wie ich.

Ich: Zeige auf Ihren Zettel und zeige auf die Uhrzeit 19.35 h. Dann mache ich eine Handbewegung nach rechts und mache dazu das Geraeusch „brum, brum“ (soll heisen, um diese Uhrzeit fahren wir los), dann falte ich meine beiden Haende zu einem Kissen und lege meinen Kopf darauf und schliesse die Augen (da es sich um einen Nachtbus handelt, zeige ich, das ich schlafen werde). Dann reisse ich schlagartig die Augen auf und schaue mich herum und mache wieder mit einem fragenden Gesicht die Bewegung mit dem Finger auf die nichtvorhandene Uhr.

Sie: Schmunzelt ein wenig und nickt. Dann macht sie hinter die Uhrzeit 19.35 h einen Strich und schreibt sie 06.00 h auf.

Ich: Bin uebergluecklich, schaue die Frau an, als ob sie mich gerade vom Ertrinken gerettet haette und sage: „OK, twa billette“.

Sie: Nun verdunkelt sich wieder ihre Miene und sie zeigt mit dem Finger nach links, zu den anderen Schaltern und sagt dazu „Kassa“

Ich: Bedanke mich trotzdem mit einem deutlichen „Spasiba“ und sage zum Abschied „Doswidanie“ und gehe weiter nach links, zur Kassa 2, da Kassa 1 mit Kunden belegt ist.Ich beuge mich nach vorne und sehe durch die kleine Oeffnung die naechste Frau, die trotz meines „Dobre Dien“ Gruss nicht die Augen von der Liste vor sich loest. Trotzdem teile ich der Frau hoefflich mit „Twa Billete Naltschik – Krasnodar“.

Sie: Reagiert prompt und zeigt mit dem Finger nach rechts und sagt „Kassa adin“.

Ich: Bin es ja schon gewohnt, dass die Zustaendigkeiten in Russland deutlich getrennt sind. War ja klar, dass diese Kasse nicht fuer diese Strecke zustaendig ist.
Ein anderes Beispiel war ein  Biergarten, in dem wir nicht bedient worden sind. Irgendwann haben wir dann so laut die rumschwirrende Bedienung gerufen, die dann auch gekommen ist. Sie hat uns erklaert, dass die Bedienung fuer diesen Bereich heute nicht da ist, wir aber gerne von Ihr bedient werden, wenn wir uns in Ihren Bereich setzen.
Aber wieder zurueck zur Wartehalle in Natschik – ich warte bis ich an der Kassa 1 mich wieder nach vorne beugen kann, um durch die kleine Oeffnung die naechste Frau zu sehen, die ebenfalls ihren Blick auf einer Liste vor sich hat. Ich gruesse wieder mit „Dobre Dien“ und nachdem sie keine Reaktion zeigt frage ich „Twa Billete Naltschik – Krasnodar“

Sie: Reagiert nach kurzer Pause mit irgendeinem russisch, dass ich nicht verstehe.

Ich: „No ruski“ und laechele peinlich beruehrt.

Sie: Schaut immer noch nicht nach oben und wiederholt lauter ihre Frage von vorher.

Ich: Weis immer noch nicht was sie will, habe aber das Blatt in der Hand mit dem Zielbahnhof und der Uhrzeit. Da die Frau immer noch nicht nach oben schaut, halte ich das Blatt Papier zwischen Ring- und Mittelfinger durch die Oeffnung und tippe mit dem Zeigefinger auf die Uhrzeit. Ich spuere wie die Frau mir das Blatt aus der Hand nimmt und ziehe meine Hand wieder aus Ihrem Zustaendigkeitsbereich.

Sie: Nickt und spricht mir irgendetwas entgegen, was ich natuerlich nicht verstehe. Ihre Miene sieht gelangweilt aus.

Ich: Denke, sie will wissen ob es heute ist oder wann und tippe mit dem rechten Zeigefinger mehrmals auf das kleine Stueck Thecke, welches an der Oeffnung befestigt ist.

Sie: Nickt und faengt auf Ihrem Computer zu tippen. Der Computer ist eigentlich nur eine Tastatur und eine Drucker aus dem auch prompt ein Zettel kommt. Sie hebt die Hand nach aussen und sagt mir der Preis.

Ich: „Twa, twa“ und zeige mit dem rechten Zeige- und Mittelfinger ihr das Peacezeichen entgegen.

Sie: Mault ein bischen und drueckt wieder auf der Tastatur rum und streckt mir dann denn Zettel entgegen auf dem sie die Gesamtsumme aufgeschrieben hat.

Ich: Gebe ihr das Geld.

Sie: Gibt mir das Rueckgeld und die Karten.

Ich: Bedanke mich froh und verabschiede mich und kontrolliere die Fahrkarten. Ich werde fast weis, da das Datum nicht fuer heute ist, der 27.07 sondern fuer morgen den 28.07 datiert ist. Oooooh Mann, wie bekomme ich das jetzt hin. Ich schaue auf das Ticket und sehe zweimal das Datum 28.07. einmal fuer das Ausstellungsdatum und einmal fuer das Datum der Fahrt. Ich zweifele an mir, ob heute wirklich der 27.07 ist und gehe zu Kolja, der mir bestaetigt, dass heute wirklich der 27.07 ist.
Ich gehe wieder zum Schalter der Kassa 1 und warte bis ich an der Reihe bin und schaue die Frau laechelnd an.

Sie: Verdreht die Augen und sagt mir irgendetwas entgegen.

Ich: Bin froh, das nicht verstanden zu haben, da es bestimmt nichts nettes war und zeige auf die Fahrkarten und das Datum.

Sie: Nimmt mir die Karten ab.

Ich: Zeige mit dem rechten Zeigefinger auf die Theke und will damit andeuten das es heute ist und dann mache ich wieder eine halbkreisfoermige Bewegung mit dem Finger nach rechts und schuettele den Kopf (soll heissen, ich will das fuer heute nicht fuer morgen!).

Sie: Zwinkert mit den Augen und kritzelt auf die Karten das richtige Datum, ueberreicht sie mir.

Ich: Moechte mich bedanken, da werde ich schon vom naechsten Kunden abgedrangt. Trotzdem gehe ich gluecklich zu Kolja und uebergeben Ihm die Karten fuer unsere Fahrt zurueck zu unseren Bikes.

Dies war nur ein kleiner Ausflug, der unsere Kommunikationskuenste beschreiben soll. Wir lernen zwar jeden Tag mal wieder ein Wort Russisch und bekommen die kyrillischen Grossbuchstaben gut zusammen, aber die meiste Zeit verlassen wir uns doch auf unsere Zeichensprache.

Wie aber schon angedeutet sind wir mit dem Bus von Krasnodar eine ganze Nacht in die Elbrus Region gefahren. Wir haben uns fuer das Oertchen Terskol entschieden, da es dort anscheinend einen deutschen Guide gibt mit dem man ein paar Touren gehen kann. Die Busfahrt ging von Krasnodar nach Baksan mit einem alten Reisebus, von dort mit einem kleinen Bus weiter nach Terskol. Der Bus von Baksan nach Terskol war in verschiedenster Richtung ein Erlebnis. Der Bus, der vielleicht fuer 35 Leute ausgelegt war, war teilweise mit mind. 50 Leuten besetzt, wobei der Motor durch das vermehrte Gewicht und die Bergetappe die Geschwindigkeit von 20 km/h unterbot. Wir legten also in ganzen 4 Std. die Strecke von 100 km zurueck.
Das zweite Highlight war die Umgebung. Von Baksan folgt die Strasse einem Fluss, der zwischen Bergen rechts und links eine Klamm geschaffen hat. Die Hoehe der Berge ist am Anfang noch moderat aber eindrucksvoll felsig und steigt dann allmaehlich an, bis am Ende der Strasse in Azau auf der rechten Seite die groesste Erhebung des europaeischen Kontinents liegt, der Elbrus. Beeindruckt von der Natur und dem reissenden Fluss gehen die vier Stunden in dem staendigen Gedruecke doch schnell vorbei. (Anmerkung Kolja: Wobei ich, da ich stehen muss, leider gar nichts davon zu sehen bekomme, weil die Fenster des Busses ja erst weiter unten anfangen.)

Wir steigen 4 km vor Azau in Terskol aus und finden auch gleich ein gutes und guenstiges Hotel in dem wir unsere Sachen ablegen. Nach einem kleinem Schlaefchen machen wir uns auf die Suche nach dem deutschen Guide. Wir finden Ihre Wohnung, doch leider koennen wir sie den ganzen Tag nicht antreffen.

Schon auf der Fahrt hier her sind uns die Moscheen in den Ortschaften aufgefallen, wie auch der Halbmond und der Stern auf vielen Giebeln der Haeusern. Hier in Terskol sehen wir dann auch viele Frauen, die mit einem dezenten Kopftuch bedeckt sind. Mehr ist allerdings von der Religion hier nicht festzustellen.

Wir machen uns weiter auf die Suche und werden ueberall angesprochen, wann wir den auf den Elbrus gehen. Wir sind etwas ueberrascht, da wir eigentlich hier nur ein bischen hiken wollten, der Elbrus war uns dann doch eine zu grosse Herausforderung.
In einem Laden Namens „Alpindustria“ erfragen wir dann mal die Preise fuer das benoetigte Gear fuer eine Besteigung und finden auch einen Guide, der in ein paar Tagen mit uns die Besteigung vornehmen wuerde. Wir machen nach ein paar zoegernden Momenten alles klar und wissen nun, dass die naechsten Tage Akklimatisierung ansteht. Der Guide Namens Vladimier, ein Ukrainer, der normalerweise auf der ukrainischen Station auf der Antarktis arbeitet, erklaert uns die Routen fuer die Akklimatisierungstouren der naechsten Tage und wir verabreden uns fuer in zwei Tagen auf dem Gletscher.

Schon auf der Homepage des Auswaertigen Amtes wird erwaehnt, dass man sich in Russland immer schoen registrieren muss. Der Guide legt uns dies auch nochmal ans Herz, daher machen wir diese Aktion zur Nummer Eins auf unserem Aktionsplan. In unserer Pension fragen wir den Chef, wie das so ist. Er ist schon ein bischen angetrunken und deutet uns an, dass dies alles gar kein Problem sei. Wir sollen ihm nur unsere Paesse geben, er erledige das schon. Cool, das ist ja einfach. Wir folgen seinem Rat.
Am naechsten Morgen treffen wir den Chef’e wieder, diesmal nuechtern gesteht er uns, dass er sich wohl ein bischen uebernommen hat gestern und wir doch die Registrierung selbst bei der Post uebernehmen sollen. Nun faengt unsere Zeichenspraeche wieder im der Post von Terskol an. Die gute Frau dort erklaert uns, dass man pro Person ein Formular zweimal ausfuellen muss und von dem Chef der Unterkunft unterzeichnen lassen muss. Wir nehmen also die vier gleichen Formulare und gehen von dannen. Warum man bei soetwas kein Durchschlagpapier verwendet ist uns raetselhaft. Noch raetselhafter ist uns allerdings das Formular an sich. Alles ist in kyrillischen Buchstaben und natuerlich in Russisch. Macht ja auch Sinn, da nur auslaendische Touristen sich registrieren muessen :-). Im oberen Teil des Formulars gibt es dann sogar noch eine Vorlage, wie man Buchstaben ins kyrillische Alphabet uebersetzt. Wir uebergeben unsere Dokumente und die Formulare im Hotel und erhalten doch dann ganz einfach nach ca. 2 Std. die Formulare, die man in der Post gegen eine kleine Gebuehr abgeben kann.
Wir kuemmern uns nicht, dass wir natuerlich nur fuer die Zeit in Terskol registiert sind, fuer die Zeit auf dem Elbrus kann uns niemand registrieren, so heisst es.

Unser erster Tag dann auf dem Gletscher war kein Guter. Am Lift der von Azau (ca. 2000 m. NN) mit einer Zwischenstation auf 3500 m. NN geht muessen wir ewig anstehen. Grund dafuer ist erstens das Eintreffen von zwei Bussen direkt vor uns und zweitens die ungewoehnliche Moral der Russen beim Anstehen. In Geschaeften, wie auch hier am Lift wird gedraengelt und beschissen wie es nur geht. Die Leute gehen vor, da sie Karten kaufen wollen und bleiben dann einfach vorne. Gehen Seiteneingaenge vor und draengeln sich dann unter Gelaendern vor. In Geschaeften z.B. stehen 5 Leute in der Reihe an und wollen etwas bekommen. Die Bedienung bedient gerade einen Kunden, als ein Mann reinkommt und eine Frage vom Tuerrahmen aus in den Raum wirft. Waehrend ihm die Bedienung die Antwort zuruft, laeuft dieser Mann seelenruhig an der Schlange vorbei und reicht der Bedinung das Geld. Die laesst die gerade bediente Kundin stehen und reicht dem Mann den Artikel und gibt das Restgeld heraus. Alle in der Schlange stehenden Leute sehen dass, wird aber anscheinend als normal anbetrachtet – vielleicht hat es der Mann ja eilig? In einem Deutschen weckt dieses Verhalten aber eher Aggressionen und bei mehrmaligen Wiederholen sogar Gelueste zu einem Amoklauf.

Nun aber wieder zurueck zur Seilbahn. Wer schon mal in Rio de Janeiro war und dort auf den Zuckerhut gefahren ist, kennt die Bauart der Gondeln, die auch hier eingesetzt wird. Zwei Gondeln, die Abwechseln oben und unten ankommen und somit nur Schubweise Leute befoerdern. Aber auch das Baujahr der Bahn am Zuckerhut und am Elbrus sind nicht weit voneinander entfernt. Beide Bauwerke geben bei Benutzung seltsame Geraeusche von sich, die uns die Besteigung des Elbrus als nicht so lebensgefaehrlich erscheinen lassen, wenn wir erstmal an der Bergstation ankommen sind.

Ab der Bergstation gibt es dann noch einen Sessellift, der die letzten 200 Hoehenmeter zu der Bergstation Barrels ueberwinden. Dieser ist aber ausser Betrieb. Dieser Zustand ist anscheinend nicht so neu, da schon mehrere Leute mit Pferden und Esel hier sind und ihre Dienste anbieten. Wir gehen also zu Fuss zu den Barrels auf 3700 m NN. Der Anblick dort ist fuer einen naturliebenden Deutschen doch ein Schock. Wie wir erfahren wird die Besteigung des Elbrus normalerweise mit einer Fahrt in einem Pistenbully begonnen. Dieser Bully bringt dann die Bergsteiger auf ca. 4700 m NN, die von dort dann die letzten 1000 Hoehenmeter nehmen. Durch diese Eigenschaft stehen ueber 10 dieser Pistenfahrzeuge dort oben, die regelmaessig zwischen den Barrels und dem Pastokhov Felsen auf 4700 m NN pendeln. Wenn man dem Treiben so zusieht, wartet man eigentlich nur noch darauf, dass der Elbrus der erste Berg wird, der mit Zebrastreifen ausgeruestet wird, damit die Anzahl der Unfaelle zwischen Bully’s und Bergsteiger nicht so hoch wird.
Weit aus schlimmer ist aber der Dreck, der hier oben ueberall herumliegt. Rings um die Barrels (fassartige Gebaeude, die als Schlafgelegenheiten dienen) liegt Dreck und zwar nicht nur Verpackungsmaterial, sondern auch Baumaterialien, Eisen usw. Noch schlimmer wird das ganze dann auf der zweiten Huette Prijut 11 auf ca. 4100 m NN. Die alte Huette ist vor einigen Jahren abgebrannt und eine neue Huette direkt darunter errichtet worden. Alles was bei dem Brand nicht in Asche umgewandelt worden ist, liegt nun herum. Die alten Roste der Betten, das alte Stromaggregat inkl. Automotor (das Oel ist sicherlich fachmaennisch entsorgt worden). Die Toiletten sind hier russischer Standard, zum hocken und sind meist an einem Abhang angebracht. Am Prijut z.B. ist dieses Haeuschen auf einem 25 Meter hohen Vorsprung und die Reste landen einfach dort unten. Bei schlechter Windlage bringt der Wind natuerlich diese ganzen Duefte zum Haus hin … einfach super!

Dieser erste Besuch hat uns doch sehr abgeschreckt und wir wussten nicht, ob wir wirklich diese Besteigung machen sollten. Schliesslich verursacht ja genau dieser Tourismus diese Zustaende. Wir haben in den naechsten Tagen weiter Touren um Terskol gemacht und uns letztendlich entschieden, die Besteigung zu machen, allerding ohne Hilfe von irgendwelchen Fahrzeugen.

Am 23.07. haben wir dann unsere schoene Pension in Terskol mit den Containern auf 3700 m eingetauscht um in den naechsten Tagen ein paar Akklimatisierungstouren zu unternehmen. Am 25.07. wechselten wir dann unsere Unterkunft von 3700 m. NN auf 4000 m NN um am 26.07. um 03.30 h die Besteigung zu starten. Das Wetter hat viel Wind fuer uns, daher war die Besteigung auch nicht gerade angenehm, das Gefuehl am Gipfel aber machte all diese Anstrengungen wieder weg.

Ein paar Eindruecke von der Elbrus Region koennt ihr in der Bildergallery finden.

Bei der Heimfahrt sind wir dann in eine Kontrolle der Miliz gekommen, die doch sofort entdeckt haben, dass unsere Registierung nicht durchgaengig ist, klar wir konnten uns ja auf dem Elbrus nicht registrieren. Wir muessen als einzige aus dem Bus aussteigen und ihnen in Ihre Huette folgen. Die Tat war klar, die Ausrede nicht akzeptabel und wir ca. 5 Euro leichter. Naja, man muss sich halt an die Regeln in Russland halten – und wenn wir ne Quittung bekommen haetten, koennten wir diese vielleicht auch von der Steuer absetzen :-).

2 Responses to “Elbrus, oder die hoechste Muellkippe des europaeischen Kontinents”

  1. StephanDzeik sagt:

    Also echt hut ab jungs,
    ihr habt euch echt ein Ziel gesetzt und zieht es total durch ,ich konnte es ja gerade die letzte zeit nicht alles verfolgen weil ich die adresse nicht mehr gewusst habe,aber kolja hat mich gerettet,da ich diese ganze expedition von euch super interessant finde und auch toll finde das ihr immer kommentare und eure geschcihten reinsetzt.Ich kann euch einfach nur beneiden und drück euch weiterhin beide Daumen ganz fest.
    Also viel glück weiterhin und kolja du weisst wenn was ist melde dich einfach.
    lg aus berlin

  2. Hartmut Bolten sagt:

    Hallo Ihr Beiden,

    zwar ist der letzte Reisebericht mit „Elbrus“ nun schon einige Zeit her. Aber es passiert ja vermutlich nicht jeden Tag was aufregendes, mitteilungswertes. Offensichtlich hat
    sich die Lust auf „Abenteuer“ bei Euch noch nicht abge-schwächt und unter Berücksichtigung der Reparatur-Statisk
    ist ja glücklicherweise bisher noch nichts wirklich riskantes passiert. Und wie mir scheint, hat die Chemie zwischen Euch Beiden ja wohl auch noch nicht gelitten.
    Jetzt ist wohl bald Kazakstan dran – oder vielleicht seit
    Ihr ja hoffentlich gesund und guten Mutes bereits dort angekommen.
    Die Bilder sind wirklich sehr schön – ganz besonders aber
    auch die Landschaften, die man dort sehen kann.Aber der
    Höhepunkt – jedenfalls nach Garrelts und meiner Erinnerung -kommt ja erst noch mit der Mongolei.
    Ich wünsche Euch, dass alles weiterhin gut voran geht, weiterhin viele berichtenswerte Erlebnisse und immer genug
    Luft im Reifen.

    Herzliche Grüße
    Hartmut